Besinnliche Weihnachten…

•24. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

…möge die Ruhe heute in Eurem Hause sein,

der Frieden und die Freude über liebe Menschen Euch begleiten,

mögen Eure Sinne offen  sein für all das Gute, das Euch entgegenkommt,

die Liebe in Eurem Herzen wohnen,

wenigstens heute soll die Dunkelheit Euch nur Geborgenheit heißen…

Geruhsame Weihnachten !!!

Pottasche und ihre Nebenwirkungen

•23. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

Nachrichten von der Lebkuchenfront!
ES hat mich! -Na ja,es HATTE mich…
LebkuchenTEIG verfolgt eine sehr subtile, aber höchst effektive Art der Verteidigung…
Während ich ihn also durchwalkte, knetete und zu allem Überfluss noch verdrosch, setzte er sich langsam und fast unmerklich zwischen meinen Fingern ab.
Mit jedem Walkvorgang verstrickte ich mich so in die 
schlußendlich ausweglose Situation:

Ich klebte fest.

Ich klebte mit meinen beiden Händen in anderthalb Kilogramm TEIG fest, unfähig auch nur irgendeiner HANDlung.
Zu meiner Verteidigung bleibt mir nur festzuhalten, dass eben dieser TEIG zu zwei dritteln aus einer gar köstlichen Mischung aus Sirup, Honig und erwärmten Zucker besteht. Selbst „Patex ultra“ ist einer solchen Haftfähigkeit nicht mächtig.
Nun gut, wie verhält sich nun die wahre(!) Heldin gegenüber einem solch anhänglichen Feind? Rohe Gewalt? Gutes Zureden oder Kapitulation?
Natürlich nichts von alledem…

SIE STAUBT!
Jede wahre(!) Heldin verfügt über beste Kontakte zu Höheren Mächten und so war auch ich in der Lage, ein höheres Wesen herbeizurufen und in meinen Gegenangriff einzuweihen.
Der TEIG sah sich nun nicht nur meiner GENIALITÄT, sondern auch der effektivsten Waffe in dieser Situation, der MEHLTÜTE, gegenüber.
Unfähig, mich zu sehen oder gar gezielt haften zu können, in der Woge des Mehlstaubes, sah sich der TEIG gezwungen, von mir abzulassen.
Um sicherzustellen, dass er meine Überlegenheit auch tatsächlich nicht mehr in Frage stellen würde, wurde er nochmals ordentlich gewalkt und verprügelt.
Zur Zeit befindet er sich noch in Sicherheitsgewahrsam und man kann ihm nur wünschen, dass er mit der Zeit eine VERÄNDERUNG durchlaufen wird, die ihn innerlich WACHSEN lässt und auf seine neue Aufgabe, als orale Weihnachtsdroge vorbereitet.

Ja, auch ein Lebkuchenteig muss das TEILEN ersteinmal gelernt haben, um seine sozialen Kompetenzen voll und ganz ausschöpfen zu können…
Lesen Sie in unserem nächsten Beitrag:
„Umlufthitze- Eine unterschätzte Gefahr?!?“
und
“Der Adventskranz- Wie gut brennt Ihre Katze?“

Elisanischer Adventskalender oder der Blick in meinen Kopf oder Moderne Sklaverei Teil 2 oder Weihnachtliches Selbstmitleid…

•20. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

So meine Damen und Herren,

haben wir das nicht gut gemacht?
SchwubbsdieBubbs- in vier Tagen is Weihnachten…
So´n Adventskalender lob ich mir ;) ))

Grundsätzlich zählen ja eh nur die Tage in deren Nummerierung ne 3 oder eine 5 vorkommen, deshalb lohnt sich der ganze Aufwand sowieso nicht und in Anbetracht der Tatsache, dass mich jeden Abend die Erinnerung an ein noch viel zu weit entferntes Weihnachtsfest um den Verstand gebracht hätte, empfinde ich diese Form des Countdowns als die Angenehmste…

Ich sitze hier, das vierte Licht des Adventskranzes brennt, mein Körper schmerzt von zu viel Arbeit, er genießt seinen Tag Ruhe, ich ne Tasse Tee und im Hintergrund brummt Harry Rowohlts Stimme beim lesen von „Wind in den Weiden“…

Bald ist es geschafft!!!! Dann hat dieser Wahnsinn ein Ende!!!!

Keine Türglocke, keine Konsumrausch-Terroristen, die mit ihrer chronischen Unfreundlichkeit einem das letzte bißchen vorweihnachtliche Freude verleiden wollen, weil die Welt untergeht, wenn das Buch, dass man sich so hübsch als Geschenk ausgemalt hat, nun nicht vorrätig ist, weil Weihnachten so spontan kommt und man natürlich der einzige Mensch auf Erden ist, dem das einfällt…
Kein heiteres Titel-Raten, weil man nicht in der Lage war, einfach mal genauer hinzuschauen oder zuzuhören, kein Finger-Getrommel und Dazwischen-Gekreische von Rentnern in der Mittagszeit, weil man bei zwanzig Kunden gleichzeitig nicht sofort persönlich und ausschließlich für sie da ist. Gut, muß man verstehen, die haben´s halt eilig, ist nicht mehr so viel Zeit bis zum Grab ;)
Kein Geschenke-Einpack-Akord, kein Treppe-rauf-Treppe-runter-Gerenne, kein Geschleppe von 5kg-Bildbänden, keine gereizten Kollegen, keine Demütigungen von alten, goldbehängten und schlecht geschminkten Damen, die der Meinung sind, mit ihrem dicken Portemonnaie, gleich auch Deine Würde mitzubezahlen und keine geilen alten Säcke, die sich erdreisten, sich Chancen bei einer um mindestens ein halbes JAHRHUNDERT jüngeren Dame auszumalen und der Meinung sind, dies mit vermeintlich niveauvollen Anzüglichkeiten zu erreichen…

Natürlich wird die sechs-Tage-Woche bleiben, die zwölf Stunden jeden Tag auf den Beinen, der fehlende Freizeitausgleich und natürlich bleibt es bei den 1000€ und natürlich auch bei dem bitteren Gefühl, weder Anerkennung von seinem Chef noch von seinen Mitmenschen zu haben. Geschweige denn von sich selbst…

Und bleiben wird der Körper, der stöhnt und ächzt und schreit, weil er ständig mehr tun muß, als er kann, er, der so hart hat kämpfen müssen, um überhaupt zu überleben und mit all seinen Kriegsschäden sein weiteres Leben  bestreiten muß…

Bleiben wird die tägliche Demut, dass man in der eigene Lage froh sein kann, überhaupt eine Arbeit zu haben, die Gewißheit, dass der Arbeitgeber genau darum weiß und deshalb immernoch mehr fordert und sich böse Scherze erlaubt.

Bleiben wird der Stolz, der sich dann aufbäumt und rebelliert, unangenehme Kunden in seine Schranken weist, der Welt und sich selbst verspricht, nur noch kurz auszuharren und dann alles hinter sich zu lassen, wenn man genug angespart hat..
Und dann wird der Stolz wieder auf den Boden geholt, denn der Kontostand beweist, dass man sich jeden Monat weiter ins Minus bewegt, OHNE sich den Luxus zu leisten, wie neue Schuhe, weil die alten inzwischen eine gebrochene Sohle haben, weil man ein und dasselbe Paar tagein tagaus bei oben genannten Stundenpensum trägt….

Bleiben wird die Verbitterung darüber, dass man die Arbeit, die man tut, verdammt gut macht, Verantwortung trägt und eine guten Riecher hat. aber sie niemals anerkannt wird, weil man keinen Schein darüber hat und ihn nicht bekommen wird, weil man Scheine nur über nachgewiesene Arbeit bekommt und man selten nachweisbare Arbeit in den Händen hält, wenn man aus bestimmten Schichten kommt oder noch anderes mit sich herumträgt oder tragen musste als die Sorge über die neue Jeans oder das Auslandssemester.

Es bleibt die Tatsache, dass Arbeitgeber oft nicht die Last einer angemeldeten Arbeitskraft auf sich nehmen können oder vor allem wollen und so werden viele in eine Illegalität getrieben, die in unserer Gesellschaft normal ist und ausgeblendet wird von denen, die davon profitieren und mir Tag für Tag ins Gesicht lachen.

So ist man gezwungen, nun, wo man endlich eine Arbeit hat, die wenigstens auch eine sein darf, bei dieser auszuharren, egal zu welchen Bedingungen, um irgendwann die Chance auf einen Schein zu haben, der einen dann mehr Möglichkeiten verspricht und sie doch nicht halten wird.

Es werden Träume bleiben, wie der kleine Gewinn von ein wenig Kapital, ein bißchen Unabhängigkeit, um der Welt zu beweisen, dass man es eben doch schaffen kann, ohne all die Nachweise, mit viel Kraft, Mut, einem Kopf voller Ideen und vor allem Trotz.
Die Hoffnung irgendwann, alle Schulden bezahlt zu haben, sich frei machen zu können von falschen Abhängigkeiten, die einem im Moment lebensnotwendig scheinen.
Frei zu sein von einem sozialen Erbe, dass sich durch Generationen zieht, dass an vielen falschen, aber nachvollziehbaren Entscheidungen hängt, dass viel Kraft braucht und verzehrt, um nicht das eigene Schicksal zu werden und es doch schon ist.

Es bleibt der Traum vom eigenen Leben, dass nach fast dreißig Jahren immernoch am Nullpunkt steht, weil man nur ständig damit beschäftigt war, zu ÜBERLEBEN, von dem einem immer erzählt wird, dass es das EIGENE sei und es doch immer fremdbestimmt ist…
Das Bewusstsein, das sich aufdrängt, dass man für all diese Dinge zu wenig Zeit hat, dass die eigene Lebenszeit geschrieben steht und man entscheiden muß, dass man niemals die Wahl hat, sondern das Leben wählt.

Es bleibt die Scham darüber, dass man all diese Gedanken in sich trägt, wo man weiß, dass gerade andere um geliebte Menschen trauern, dass genau in dieser Sekunde, irgendwo jemand geschlagen wird, weil er gewagt hat, eine Hoffnung zu äußern oder die Wahrheit spricht.
Scham angesichts der Mutter, die gerade von ihrem dritten Job nach Hause kommt und weiß, auch diesmal reicht es nur für die Miete und mit viel Glück für ein paar Plastikkugeln an dem „gefundenen“ Weihnachtsbaum.
Scham angesichts der Tatsache, dass genau in diesem Moment jemand wieder um sein Leben kämpft, gerade jetzt jemand nach Obdach sucht, weil der Winter seine Zehen als Tribut forderte.
Scham, weil man weiß, dass jetzt ein Kind aus dem Fenster starrt und sich an jeder Schneeflocke festhält, damit sie den Schmerz verdrängen möge und die Angst vor dem Weihnachtsmann, der hinter ihm stöhnt…

Scham darüber, dass ich einen Großteil davon nur allzu gut kenne und ihn hinter mir habe und glücklich sein müsste, weil er Vergangenheit ist…
Scham und tiefe Erkenntnis über die eigene Undankbarkeit und Wissen darum, dass es die Situation trotzdem nicht besser macht….

Der Tee ist kalt, der Wind weht nicht mehr in den Weiden und ich frage mich, ob ich dem nächsten blökenden Kunden einfach mal das Buch über den Kopf ziehe, anstatt es in Goldpapier einzuwickeln und mir eine Narrenkappe aufsetze und fröhlich dabei „Halleluja“ pfeife, mich selbst an der Nasenspitze packe und durchs linke Ohr zerre, um in meinem Kopp die Welt weich zu klopfen….

FRÖHLICHE WEIHNACHTEN!!!!

Elisanischer Adventskalender…1.Dezember…

•1. Dezember 2009 • Kommentar schreiben

…wegen arbeitstechnischer Übermüdung auf morgen verschoben…;)

Siehe auch „Moderne Sklaverei“…Gute Nacht!

Herzlichen Glückwunsch!!!!

•9. November 2009 • Kommentar schreiben

Ich gratuliere mir und allen anderen Berlinern zum Mauerfall!!!!

Auch wenn meine Familie eher unter den Folgen des Mauerfalls gelitten hat und unser Schicksal mehr als einmal durch die Mauer besiegelt wurde, so möchte ich, und so mögen wir, niemals vergessen, wie großartig die Sache an sich war…

Selbst wenn es nur wirtschaftliche Gründe gegeben haben mag, schnöde mal wieder nur der Mammon der Grund gewesen sein sollte für Veränderung…

So vergessen wir nicht die symbolische Kraft, die Kraft und die Überzeugung, die einen Moment in den Augen von vielen Einzelnen in einer großen Masse leuchtete. Der kurze Augenblick, glaube daran, wirklich verändern zu können…

In Namen der Toten, die ihr Leben aus Hunger nach Freiheit im Stacheldraht ließen, im Namen all der Veratenen und Betrogenen, Gefangenen und Verfolgten, im Namen all der Hoffenden,….

WIR SIND!!!!

P.s.: Wer mehr Mauerfall will, lese “ Berliner Verhältnisse oder Nachtrag zum Mauerfall“…

Erinnerungen an den Sommer oder warum ich den Herbst lieber mag…

•4. November 2009 • Kommentar schreiben

Moin Ihr Lieben,

hier eine kleine Erinnerung an vergangene Sommertage und vielleicht hilft dieser Text, Euch daran zu erinnern, dass der November auch ganz schön ist… Viel Spaß damit!

Frieden finden und andere Unmöglichkeiten…


Heute war wieder einer dieser berühmt berüchtigten Tage.

Man steht viel zu spät auf, womit die Planung und Organisation eines ganzen Tages scheinbar einen langsamen, aber sicheren Tod zwischen zwei sich in Absurdität übertreffenden Träumen gestorben ist.

Man versucht den Mord mit Literweise Kaffee zu perfektionieren- ertränken eines Tages wird allgemein höher bewertet, als ihn einfach zu verschlafen- aber in Ermangelung dieser wunderbaren, legalisierten Droge, sieht man sich gezwungen, eine erneute Planung in Angriff zu nehmen.

Da dies furchtbar anstrengend sein kann, ohne aufputschendes Heißgetränk, bedient man sich einer anderen, nicht minder wirksamen Droge- des Fernsehers.

Dem Gewissen zu liebe, ZDF info, arte oder so.

Das Wetter ist gut. Sonnenschein, blauer Himmel- bestimmt so um die zwanzig Grad.

Phoenix.

„Wie kann man bei so einem Wetter nur drinnen hocken?“, spricht eine sehr vertraute Stimme, deren Name nicht genannt wird. Gott, sind die Bäume grün…

N24.

Schluss, Aus, Ende! Raus muß der Mensch! Schön mit einem Buch in den Park in die Sonne setzen, mit dem Fahrrad hinfahren, man wollte sowieso was für sich tun.

Und lieber draußen, schön ruhig, den für sonst nix mehr zu gebrauchenden Tag genießen.

Jawoll! Das Glas ist halbvoll, über verschüttete Milch soll man nicht und so weiter und so fort….

Bücher werden eingepackt- Bücher, weil man sich nicht entscheiden will- ein Getränk und obligatorisch eine Decke- wenn schon, denn schon.

Das Fahrrad ist demoliert.

Kann man denn nicht darauf vertrauen, dass ein so unschuldiges, harmloses Wesen- etwas arg angerostet und die besten Tage schon hinter sich- in Ruhe gelassen wird?!?

Vermutlich wurde an ihm die Aggression eines ganzen Tages, entstanden in einer Hamburger Fußgängerzone, abreagiert.

In besagter Fußgängerzone neigt man des öfteren zu extremen Mordphantasien, häufig kommt ein Messer darin vor, da man sich in dieser Fußgängerzone, als Fußgänger, obwohl selbst in der offensichtlichen Mehrheit, militanten Kinderwagenschubserinnen und eben auch Kamikaze-Fahrrädern und ihren Piloten ausgeliefert sieht.

Es kann dort durchaus vorkommen, dass man dort, wo jegliches Bedienen eines Zweirades schon allein durch die Dichte der dort umherwandelnden Individuen untersagt ist, von einem Fahrer eines solchen Vehikels, der mit Tempo dreißig und einem modernen Kommunikationsgerät am Ohr sich gezwungen sieht, quietschend vor einem zu halten, auf das Übelste angepöbelt wird, wie man denn da nun so plötzlich stehen könne und ob man denn keine Augen im Kopf habe, während man selbst gerade überprüft, ob auch noch alle Weichteile unversehrt geblieben sind….

Ja, vermutlich ist mein armes, altes Fahrrad genau so jemanden ins Auge gefallen und da er nicht den Mumm hatte, sich an dem Fahrradfahrer in der Fußgängerzone abzureagieren, denn so etwas kann Folgen haben, hatte es eben solche für meinen rostigen Drahtesel…

Egal, selbst ist die Frau,!

Schutzbleche zurückbiegen, Speichen an ihre angestammten Plätze verweisen und den Ständer richten…hm, der is wohl hin… aber was solls, wer brauch schon nen Ständer, wird sowieso überschätzt ;)

Auf, auf zu neuen Taten, aufgesprungen und losgeradelt zu neuen Horizonten, das Leben wartet in all seiner Pracht, die Welt ist mein!

Der Park ist voll!

Wieso gibt es unter der Woche so viele Menschen, die Zeit haben, sich in den Park zu begeben?!? In den ureigenen Park, in dem zu dieser Uhrzeit sonst nie jemand verweilt, mal abgesehen von den schon längst restlos vergammelten Grabbewohnern (der Park ist eigentlich ein alter Friedhof) – wo Tote Ruhe finden, sollten die Lebenden es wohl auch…

Die Arbeitslosenzahlen sind definitiv ein Produkt von Wunschdenken, die Realität sehe ich hier und versuche trotzdem einen Platz zu finden, an dem ich Ruhe und Geborgenheit finde und nicht gezwungen bin, auf irgendwelche nackten Körperteile zu schauen geschweige denn, selbst Opfer abschätzender Blicke zu werden…

Ich biege nun das fünfte Mal in einen kleinen Weg ein, ziemlich entkräftet und abwägend, ob das Fernsehprogramm  nicht doch unterhaltsamer sein könnte, da sehe ich es…

Eine Gruft!

Gelobt sei der Herr oder was auch immer, vor allem aber das Prestige-Denken des Toten, „Mein Grab ist größer als Deins“, denn hier, in dieser exklusiven Lage im Schatten von uralten Bäumen, die eine kleine sonnenbestrahlte Lichtung einrahmen neben der genannten Gruft, hier eingerahmt von Hecken, will ich meine Zelte aufschlagen und ewig verweilen…na ja, vielleicht nicht ganz so ewig wie der Kollege hier in der Gruft, aber doch wenigstens ebenso ungestört…hm…Pflichtbewusst und um Ahnenkult wissend, entschuldige ich mich bei der Leiche, bitte um Verständnis und breite meine Decke neben der Gruft aus.

Häuslich eingerichtet, das Buch schon an der richtigen Stelle aufgeklappt, euphorisch den kommenden Stunden entgegen blickend, proste ich dem Toten noch mal zu, bedanke mich für den hübschen Platz und die herrliche Ruhe und flapse ihm noch ein : „Haste auch mal Gesellschaft, haha!“ entgegen, bringe mich in die richtige Lese-und Sonnenposition, da folgt die Rache der Gruft…

Zwei schnatternde, weibliche Wesen haben mich und den Platz entdeckt…und leider auch das Stückchen freie Wiese, dass ich aus Respekt vor dem Toten frei gelassen habe. Totenkult ist nur bedingt  lebensbejahend und praktisch…

Ich versuche möglichst unbeteiligt und in meine Lektüre vertieft zu erscheinen, in der Hoffnung, die Damen würden aus Höflichkeit mir meine Ruhe gönnen, aber wir sind in Hamburg und bei gutem Wetter ist hier jeder Flecken Grün so umkämpft wie einst die Beute Störtebekers, jegliche Höflichkeit wird zu Gunsten des Profits an den Nagel gehängt und so fragt mich eine dieser typischen, rosa-orangefarbene Studentinnen in einer viel zu hohen, zuckersüßen Quietschestimme, ob sie sich zu mir gesellen dürften. Da ich keine Lust habe, mir den Tag auch noch mit falscher Freundlichkeit zu vermiesen, sage ich ihnen höchst diplomatisch, dass ich es ihnen ja schwer untersagen könne.

Jeder nur annähernd mit Menschenverstand und Taktgefühl gesegnete Zweibeiner, würde aufgrund der Formulierung und Tonlage wissen, dass seine Anwesenheit mehr als unerwünscht ist, aber wir sprechen hier von bonbonfarbenen Zweitsemester-Studentinnen, die in ihrer herrlichen „Wir-sind -doch-ach-so lieb-und-alle-beste-Freundinnen“-Welt noch nie was von Taktgefühl mitbekommen haben.

So breiten die Damen ihre Decke doch bedrohlich nahe auf dem übrig gebliebenem Stückchen Grün aus und ich versuche meine Tränen der Enttäuschung zu unterdrücken und hoffe, dass jeden Moment eine faulige Hand aus den Tiefen der Erde emporragt und sich eine oder gerne auch beide Damen greift und mit theatralischer Stimme verkündet, dass sie aufgrund ihres respektlosen Verhaltens nun in ewiger Verdammnis mit in der Gruft hausen müssen…

Nichts dererlei  Wünschenswertes geschieht…

Klar, so´ n Geist ist schließlich nicht blöde, der weiß was Ewigkeit heißt und so lässt er mir freundlicherweise die Gesellschaft der beiden zuckersüßen, quietschende Damen.

Scheißkerl!

Räucherstäbchen!!! Sie haben doch tatsächlich Räucherstäbchen ausgepackt und nein, sie wollen sich nicht nur einfach die neusten Sorten der verbrennbaren Chemiebombe präsentieren, nein, sie zünden die Stäbchen auch an…

Läßt sich das Rauchverbot auch auf Räucherstäbchen im Freien übertragen?

Eine böse Vorahnung beschleicht mich und ihre Bestätigung lässt auch nicht lange auf sich warten…

„ also, P. ist da ja ganz anders…der hat letztens so gegrunzt, da habe ich mir dann doch F. gelobt, der wusste, wie man´s richtig macht….“ „ Gegrunzt?!? Hihihi…ich kenn solche Geräusche nur wenn man so…, ne, dann kann das schon mal passieren. Aber ich hatte mal einen, der konnte nicht, der war immer so schlaff…“

Noch Fragen?

Über das Taktgefühl von Studentinnen im Allgemeinen habe ich mich ja schon ausgelassen, aber was ist mit Würde, Stolz oder einfach nur Scham?

Nie im Traume, in diesem Fall Albtraum, würde ich auf die Idee kommen, in unmittelbarer Nähe eines Fremden über meine Sexualpraktiken, Tamponvorlieben oder nicht vorhandene Genitalwarzen zu sprechen, denke auch, dass man solches sogar gänzlich unterlassen sollte, manches muß man einfach mit sich selbst ausmachen…

Ich will nicht wissen, wer, wem es wie besorgt hat oder welche Farbe die Socken meines Deckennachbars haben und was er damit sonst so tut. Ich will auch nicht wissen, wer jetzt mit wem , wie zugange war und was derjenige auf der letzten Party ausgekotzt hat. Nein, nein, dass will ich einfach nicht!!!

Nichts desto trotz kenne auch ich das uralte Freundinnen-Ritual, solcherlei Dinge zu teilen, aber dann doch in äußerst privaten Rahmen, bitte. Und mit Vorbereitung..und überhaupt…

Man könnte nun der Meinung sein, dass die Reaktion der Damen, nämlich sich ganz vertraut zu fühlen, ein Kompliment an meine Tarnung der Gleichgültigkeit darstellt, aber ich vermute darin die äußert effektive Taktik, sich die Alleinherrschaft über eine grüne Lichtung in einem zu übervollen Park zu sichern, auch wenn mir diese Unterstellung widerstrebt, denn soviel Intelligenz kann ich aufgrund des Sprachinhaltes des Gespräches den Damen nur schwer zugestehen…

Aber meine Damen, ich habe mir diesen Platz hart erkämpft,  habe den Pakt mit dem Reich der Toten geschlossen und verfüge über viel subtilere Mittel der psychologischen Kriegsführung als ihr jemals in euer beschränktes Köpfchen hineinbekommen werdet…

Also wende ich mich wieder meiner Lektüre zu mit einem suffisanten Lächeln, denn ich erfreue mich ganz ungehemmt an den verschiedenen, sehr bildhaft ausgeschmückten Mordphantasien und bemerke, dass meine Gruftnachbarinnen dies durchaus notieren. Unsicherheit über die Ursache meines Amusements macht sich breit, so scheint es jedenfalls, dank der ins Stocken geratenen Unterhaltung.

Ich blicke auf, trinke einen Schluck, blicke etwas verachtend lächelnd herüber und nun scheint kein Zweifel, auch bei den recht einfältigen Geschöpfen, dass ich durchaus ihrem Gesprächsstoff folgen kann und ihn missbillige.

Die Damen fühlen sich tatsächlich durch meine Anwesenheit gestört, ich zwinkere dem Kollegen im Grabe zu, auch ein zweites Räucherstäbchen mag mich nicht hinfort räuchern und so erstakt das sinnlose quietschende Geplänkel der Studentinnen und ein seeliges Schweigen macht sich breit.

Einfältige Geschöpfe ertragen den Zustand nicht, nur noch ihrem Blechtrommel spielenden Schimpansen im Schädel hören und sehen zu können und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich die Damen verdünnisieren und ich endlich wieder diesen Platz mein eigen nennen kann.

Es ist kalt.

Vor lauter Ehrgeiz und Trotz habe ich keine Notiz davon genommen, dass die Erde sich inzwischen weitergedreht hat und so sitze ich da, in meinem erkämpften Territorium und beschließe, morgen, egal wie schön dieses verdammte Wetter auch sein möge, das Haus nicht zu verlassen, in meinen vier Wänden zu verweilen und mich von drinnen an dem heißen Sommer zu erfreuen, ohne nervige Menschen mit minderem Stroh im Kopp, nur mit mir und der Vorfreude auf den Herbst, denn dann wird der Park nur noch mir gehören, mir  ganz allein…

Ich verabschiede mich von meinem Gastgeber, der die Ewigkeit besser kennt als jeder Lebende es erahnen mag und ich kann nicht umhin, ein leises Kichern aus der Gruft zu vernehmen…

Recht hat er…

Lesbare Musik…

•1. November 2009 • 1 Kommentar

Einen schönen Sonntagnachmittag Euch allen da draußen!

Dank einer erneuten Trotzphase meines Körpers bin ich mal wieder an diesem Wochenende dazu verdammt, das Bett oder wahlweise das Sofa zu hüten…Da mir das bei der heutigen Kälte-und Wetterlage nicht sonderlich schwerfällt, lasse ich Euch an einem meiner liebsten Hobbys teilhaben…

Da ich auch zu den Leuten gehöre, die sich dem Zauber der Musik nur schwerlich entziehen können, ich aber andererseits auch eine Schwäche für passend aneinandergereihte Wortketten habe, fröhne ich häufig beidem, in dem ich einerseits die Musik durch meine Ohren und zwangsläufig durch meinen ganzen Körper fließen lasse und zum anderen meinen Geist durch intensives Text-Studium beflügel.

Letzteres kann manchmal die Wirkung der Musik eindeutig verstärken, bietet aber häufig auch Anlass zum Schmunzeln oder gar Kopfschütteln…es ist also ein Wagnis, sich auch auf die Textsuche zu begeben, kann aber unter Umständen zu wahren poetischen Schätzen führen…aber eben „kann“.

Im Algemeinen ist mir beim Musikgenuß natürlich die Musik am wichtigsten , heißt ja schließlich auch nicht „Wortgenuß“, aber da ich ja ab und an meine Stimme gerne zur eigenen Erbauung einsetze (den eigenen Körper als Klangkörper zu spüren läßt ihm so manche Unpässlichkeiten verzeihen…), bin ich nun mal auch eine Frau des Wortes und lese gerne, was da musikalisch vertont wurde…

Hier nun zwei Beispiele an denen ich mich gerade erfreut habe und die mir zur Zeit so dermaßen aus dem Herzen sprechen, dass ich sie für würdig erachte, hier auf meiner Seite einen Platz zu erhalten…

Die Musik hierzu findet Ihr in dem Album „Once“ von den beiden folgenden Schreiberlingen, einem Soundtrack zum gleichnahmigen Film, der es ebenfalls äußerst wert ist, gesehen zu werden…Es erwarten Euch schön, schlichte, hausgemachte Gitarrenmusik und das ganze spielt auf Irland…noch Fragen? ;)

Zugegeben, diese beiden Texte erfüllen sicher nicht den Anspruch eines hochpoetischen Werks-wen kümmerts- denn dafür sind sie schön traurig und etwas erschütternd und genau das, was in diese und meine Zeit passt…

The hill

by Marketa Irglova

Walking up the hill tonight
when you have closed your eyes.
I wish I didn’t have to make
all those mistakes and be wise.
Please try to be patient
and know that I’m still learning.
I’m sorry that you have to see
the strength inside me burning.

But where are you my angel now?
Don’t you see me crying?
And I know that you can’t do it all
but you can’t say I’m not trying.
I’m on my knees in front of him
but he doesn’t seem to see me.
With all his troubles on his mind
he’s looking right through me.
And I’m letting myself down
beside this fire in you.
And I wish that you could see
that half my troubles too.

Looking at you sleeping
I’m with the man I know.
I’m sitting here weeping
while the hours pass so slow.
And I know that in the morning
I’ll have to let you go
and you’ll be just a man
once I used to know.
But for these past few days
someone I don’t recognize.
This isn’t all my fault.
when will you realize?

Looking at you leaving, I’m looking for a sign

Say it to me now

by Glen Hansard

I’m scratching at the surface now
And I’m trying hard to work it out
So much has gone misunderstood
This mystery only leads to doubt
And I didn’t understand
When you reached out to take my hand
And if you have something to say
You’d better say it now

Cause this is what you’ve waited for
A chance to even up the score
And as these shadows fall on me now
I will somehow

Cause I’m picking up a message Lord
And I’m closer than I’ve ever been before

So if you have something to say
Say it to me now
Say it to me now
Say it to me now

Der Wahnsinn des Alltags 2 oder Synapsenüberreizung…

•26. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

…kalter Regen in meinem Gesicht, der mir den Blick vernebelt und meine Welt aus den Angeln hebelt….

…Herz voller Liebe für einen, der meint, er hätte schon genug  und er müsste verneinen, was für die Ewigkeit gedacht, spuckt sie aus, wie bittere Kirschkerne in einem zerbrochenem Marmeladenglas…

…ein Leben und ein Lachen und unendlich viele, unnütze Sachen, die an Bedeutung gewinnen, weil der Kopf nach schizophrenen Kasperlepuppen sucht…

…Rumpelstielzchen, das falsche Dinge verspricht, und man glaubt und wünscht, doch es ist nur erpicht, auf der Königin erstes Kind…

Der Geist schwindet und verliert sich im nirgendwo, die Koffer gepackt und die Zigeunerin froh, dass sie nun weiß, wer Kaktus ist, wird niemals Rose…

..wahnsinnige Träume und wildes Lachen, fremde Geister die Unschickliches machen, der Verstand hat abgedankt es kommen die Tage der Kriegerin…

…große Versprechen von Liebe, fördern Erbrechen und Hiebe, der Froschkönig musste schließlich auch da durch und so pustet die Schildkröte sich selbst ihre Welt, eine wahre, bunte, schillernde Seifenblase, ist nun ihr eigener Held…

..Suchen nach Heimat einer Heimatlosen, die Geborgenheit findet im Gedankenlosen, die Unsicherheit, das wahre zu Hause, armes Kind, hast so gehofft und nu gabs Zitronenbrause….

…Rauch aus der Pfeife, Madame sucht die Weite, ein Schrei und ein Flöten, Ideen zum töten und der liebe Gott verkauft Zuckerwatte…

…Zigeunerin kannst drinnen nicht ruhen, hast Blasen von zu großen Wanderschuhen, doch die Stille treibt Dich an, denn in Deinem Kopf tanzt ein Skelett mit Partyhütchen…

Hier sind die Feuer die brennen, die Liebe, der Haß, der Mut, sie zwingen  zum Rennen und endlich wird klar, niemals wird sie ankommen in dieser Welt…

UND WIßT IHR WAS?

Das ist genau DAS, was IHR gefällt!!!!!

Schönen guten Abend!!!!

Der Herbst, der ist ein Malersmann…

•10. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

strahlender baumLeute!!! Es ist Herbst!!!

Laubschlachten, Pfützen springen, Modergeruch, heißer Tee, Spieleabende, Wind um die Nase wehen lassen, heißer Apfelkuchen, nicht raus müssen, warm eingepackt Nudelpfanne im Park essen, grummelig sein und sentimental, mit Freunden DVDs gucken, Fischmarkt unter Wasser, Decken und Wärmflasche, Samhain, Lokomotive mit dem Atem spielen, kuscheln, Lichter gucken, meinen grünen Mantel anziehen, Zimtschokolade und ein gutes Buch, am Meer alleine vom Sturm umpusten lassen, Grünkohl mit Kassler, bei Regen Fähre fahren und heißen Kaffee schlürfen, Maronen sammeln und mit zerpieksten Händen essen, Herbststürme und dramatische Himmel, Kakao mit Sahne, Melancholie und veralterter Liebeskummer, Rollkragenpullis, Regentropfen an der Fensterscheibe, das Kastanien-PLONG und KLOCK, Briefe schreiben, Glühkaffee und Bienenbrot, Veränderungen, längere Nächte, Träume finden, Blätter sammeln….
Alles und noch viel mehr…Herbst ist die schönste Zeit des Jahres! Herbst ist „zu Hause“…

Berliner Verhältnisse oder Nachtrag zum Mauerfall…

•3. Oktober 2009 • Kommentar schreiben

Zum Anlaß des heutigen Tages der…äh was…ach ja, deutschen EINHEIT ein kleiner, feiner Text, der meine Feder letzten Novemebr  in Berlin verlassen hat und der von mir in die Kategorie „Zeitlos“ eingeordnet wurde- Euer Pech, denn nu steht er hier…

Viel Vergnügen!

Liebe Freunde des Wortes,

da melde ich mich nun aus dem großen Moloch der Eitelkeiten und Möchtgern-Künstler, dem Ort der grenzenlosen Freiheit und des Großstadt-Dschungels.

Es ist doch immerwieder für mich verblüffend, dass man diese Stadt  auch nicht fünf Minuten alleine lassen darf, weil man sonst schon nicht mehr weiß, wo man ist, bei all den Veränderungen.

Aber dieser Umstand hat in Berlin Tradition und jeder Berliner trägt diesen Rausch der Veränderung in sich und ist ihm verfallen.

Andererseits ist es aber auch des Berliners liebstes Hobby, zu allererst und mit einer Leidenschaft, die an die Französische Revolution erinnern möge, über all diese Neuerungen zu meckern, um sie dann, nach der Eingewöhnungsphase, als schon immer dazugehörig zu markieren und mit der selben Leidenschaft, die zuvor zum Bekämpfen genutzt wurde, zu verteidigen.

Ja ja , der Berliner an sich ist eine gespaltene Persönlichkeit und wie sollte es auch anders sein…

Verblüffend ist für mich allerdings immer wieder die Begegnung mit einer Generation junger Berliner, um nicht zu sagen den Jüngsten.
Man ist geneigt, einen weniger intelligenten Gesichtsausdruck anzunehmen, wenn einem ein Steppke von vielleicht 10 Jahren erzählen will, wie Scheiße es doch in Prenzelberg oder in Charlottenburg ist, nein, nicht weil er einen besonderen Bezug dazu hat, sondern weil…na sag´s schon…“Iiiih, da willste hin?!? Dit is doch im Osten, wa?“ das selbe nochmal „Bähhh, wat willste denn im Westen?“. Da geht man dann doch nochmal gucken, ob die Mauer nicht noch rumsteht…

Ich, zu einer Generation gehörend, die sich sehr wohl noch an die Mauer erinnern kann, vielleicht auch mehr, als andere Altersgenossen, da meine Ur-Großeltern „drüben“ lebten, ich jedenfalls, weiß nicht, ob ich in Gelächter oder in nen Heulkrampf verfallen soll, wenn mir die nächste Generation mit solcherlei Vorurteilen entgegen kommt, die von einer Generation vererbt worden sind, die nicht anders konnte.

Erschreckend!

Auch ich kenne diese mentale Mauer im Kopf, sie drängt sich geradezu auf, wenn ich auf der Strecke zwischen Lerther Bahnhof (für nicht-Berliner: Hauptbahnhof) und Friedrichstraße mit der S-Bahn am Reichstag vorbei fahre und immernoch das komische Gefühl in der Magengegend spüre, dass früher, als ich mit meiner Großmutter eigentlich monatlich „rüber“ fuhr, sich immer einstellte, weil ich wusste, wir fahren an einen Ort, wo die Menschen gefangen waren.

Der „Tränenpalast“ war Ort der Angst und der Erleichterung, je nachdem, in welche Richtung wir fuhren.

Ich kann mich sehr gut an das Gefühl der Abhängigkeit und des Ausgeliefert-seins erinnern, wenn im „Tränenpalast“  die vollbewaffneten Grenzer einen bedrohlich ansahen. Wenn aus purer Willkür irgendwer rausgerissen und übermäßig kontrolliert und inspiziert wurde. Manchmal auch einfach jemand abgeführt wurde.
Oft fuhren wir mit dem Wagen „rüber“, was nicht minder anstrengend und für mich auch immer mit gemischten Gefühlen verbunden war.

Vor einer solchen Fahrt musste man mindestens nen Monat vorher, bei  bestimmten Feiertagen auch noch früher, ein Visum, einen Passierschein beantragen. Man musste angeben, weshalb, wieso, zu wem man reisen wollte und was man einführen würde.
Wollte man übernachten, so brauchte es eine Sondergenehmigung, die natürlich noch viel früher beantragt werden musste und oft auch abgewiesen wurde.

Hatte man das alles hinter sich und fuhr dann endlich „rüber“, so kamen die anderen Schikanen. Wenn man zu den Unglücklicheren gehörte, passte dem kontrollierenden VOPO etwas nicht und man wurde richtig herausgezogen, was eine Durchsuchung des Autos mit Verkleidung abnehmen und nem getrennten Verhör der beteiligten Personen bedeutete. Normalerweise, also wenn man nicht rausgezogen wurde, gab es die gründliche Passkontrolle, das Rücksitzbank umklappen, die Tankkontrolle, Kontrolle der mitgebrachten Sachen und das obligatorische Geldwechseln.

Kurzer Einschub: Warum muß ich jetzt an die USA denken? ;) …Weiter…

Oft stellte ich mich schlafend und hatten wir nen netten Grenzer, dann musste die Rücksitzbank nicht umgeklappt werden. Das war manchmal ganz gut so, denn natürlich schmuggelten auch wir ab und zu was für meine Ur-Großeltern oder für die Nachbarsfamilie rüber.:)

Hausarbeiten konnte ich bei meinen Ur-Großeltern übrigens nicht machen, da man die WEST-Schulbücher nicht einführen durfte…könnte ja die Wahrheit in der falschen Version drin stehen. Was die Hausaufgaben betraf, war mir die DDR da zum erstenmal sympathisch…

Endlich bei meinen Ur-Großeltern im Berliner Umland angekommen, hieß es eigentlich immer: Frühstücken, Kaffee, Mittagessen, Kaffee-Kuchen, Imbiss, Abendbrot- sprich wir waren in einem Zustand des Dauerfressens, denn es blieb nie viel Zeit. Ab und an hatte man an der Grenze nicht so lange stehen müssen, dann war auch noch Zeit für den Wald, für´s Hühnerfüttern oder Erdbeeren sammeln.
Schlug die Uhr dann abends halb sechs, fing ich an, unruhig zu werden.
Immer, wenn es dämmerte, begann sich in mir eine Panik auszubreiten, denn ich wollte unter keinen Umständen, „drüben“ bleiben und drängelte, dass wir endlich losführen.
Wieder wurden Passierscheine ausgefüllt, was man denn wieder mitnimmt, das gewechselte Geld blieb bei meinen Ur-Großeltern und ab ging´s zurück nach West-Berlin. Natürlich gab´s auf dem Rückweg die gleiche Odyssee an der Grenze wie bei der Hinfahrt.

Immer nach dem Passieren der Grenze kam dann die Erleichterung, aber auch das Bedauern, dass man nicht einfach da hätte bleiben können, dass es beim nächsten Mal wieder so sein würde und das ich meine Ur-Großeltern deshalb nur sehr selten sehen konnte.

Als West-Berliner hatte man das mit der Grenze immer, wenn man aus der Stadt wollte zum Beispiel, um in den Urlaub zu fahren.
°tiefton° Dudum-dudum…dudum-dudum°tiefton°…so ungefähr  klang die Transitstrecke und kostete so mancher  Wagenachse das Leben.

Aber wir konnten wenigstens raus, für uns gab es ein Leben außerhalb der DDR. Uns standen mehr Länder zur Verfügung, die man besuchen konnte, wir hatten die Freiheit, Fragen zu stellen, ohne gleich verhört zu werden.
Wir waren zwar „besetzt“, die Engländer im Westen, die Franzosen im Norden und die Amys  im Süden, aber zu meiner Zeit waren die „Besatzer“ Freunde, Mitberliner.
Es war ein wirklich surrealer Moment, als ich eines morgens von meiner Mutter zur Schule gebracht wurde, die Hektik des Alltags im Rücken und die Straßen ziemlich ungewohnt aussahen. Wir wussten erst nicht, was eigentlich anders war…“wat machen denn die janzen Trabbis hier?!?“

Tja, in der Schule erfuhr ich dann, was los war. Wir sangen „Die Gedanken sind frei“ und die Nationalhymne und hatten dann Schulfrei. Wir sollten uns zur Mauer begeben, um zu sehen, was da los war.
Ich begriff erst auf dem Weg zu meiner Oma, bei der ich immer nach der Schule war, was das bedeuten könnte, denn glauben konnte ich es nicht.

Auch nicht, als ich ein paar Tage später, nur mit dem Ausweis und zu Fuß, mit meiner Mutter die Glieniker Brücke, den Ort, wo früher häufig Spione ausgetauscht wurden, überquerte. Ich hatte eine solche Furcht, dass es nur ein Trick war, dass sich hinter uns die Tore gleich wieder schließen würden.

Aber sie taten es nicht.
Berlin blieb offen, zu allen Seiten, die Stadt quoll über an Menschen, an Freude, an Freiheit.

Es gab keine Barbies zu kaufen, keinen Kaffee (jedenfalls keinen Ordentlichen…) tatsächlich auch kein frisches Obst und vierlerlei andere hochbegehrte „West-Waren“, das Begrüßungs-Geld wurde umgestezt und zwar rasant. Konsum war das erste, was sofort verstanden wurde…

Vom ersten gemeinsamen Sylvester, gibt es herlliche Bilder meiner Großmutter, die nach ihrer Arbeit in der Berliner Philharmonie mit ihrer Kollegin zur ehemaligen Mauer ging und dort mit Polizeibeamten, Grenzern und dem Rest des Volkes feierte. Klassischerweise haben die Beamten auf den Bildern eine Rose in ihren Waffen.

Diese Euphorie, des endlich „Eins-seins“, der Hoffnung und des Sieges der Freiheit, verflüchtigte sich schnell und Gram und Zweifel und vor allem Neid nahmen ihren Platz ein.

Viele wurden enttäuscht, weil man ihnen weiß machen wollte, dass man eben nur die Mauer einreißen muß und schon ist alles gut.
Sie hatten gedacht, mehr braucht es nicht, aber das vierzig Jahre Teilung nicht einfach so wieder aufzuholen, abzuarbeiten und zu übergehen sind, daran hatte niemand gedacht.

Im Westen, wie im Osten, das trifft jedenfalls für Berlin zu, gab es Verluste.

Arbeit, Wohlstand und soziale Annehmlichkeiten gingen verloren.
Während West-Berlin zu Beginn gerne seinen Wohlstand teilte und dem Osten so schnell wie möglich angleichen wollte, so war man drüben von dem Recht überzeugt immer noch mehr zu verlangen, ohne dafür zu opfern. Man fühlte sich im Osten, zum Teil berechtigt, über den Tisch gezogen, da viele unrechte Geister durch das neue und vor allem unerfahrene Land zogen und ihren Profit suchten.
Es wurde beklagt, dass alles teurer würde, dass die sozialen Absicherungen verloren gingen, dass der Westen nur am Profit interessiert sei, aber es wurde vergessen, dass man selbst diesen Kapitalismus einst für das Heiligste hielt, dass man quasi aus dem Nichts Geld erhielt, denn der Umtausch 1:2 zum Beispiel wurde oft bejammert, aber nie wurde darüber nachgedacht, dass dieses Geld aus einem Topf genommen wurde, in den das halbe Land, das nun auf einmal existierte, nie etwas einbezahlt hatte
Es wurde vergessen, dass all der „Reichtum“ der vorhanden war, nicht plötzlich entstanden war, sondern eben auch vierzig Jahre dauerte bis er so war, wie er war.
Es wurde viel gefordert und es gab großes Geschrei, wenn dafür eine Gegenleistung verlangt wurde.

Auch im Westen stieg zunehmend der Zorn auf, über die vermeintliche Gier des Ostens und zu wenig war das Verständnis da, dass man es mit einem Volk zu tun hatte, dass vierzig Jahre mehr oder weniger eingesperrt war, dass durstig war, nach all dem, was es entbehren musste.

Auf beiden Seiten gab es Enttäuschungen, Familien gingen zu Bruch, die vorher durch die Mauer zusammengeschweißt waren.
Viele Obrigkeiten schloßen in dieser Zeit des Umbruchs falsche Entscheidungen, überstürzten die Dinge ohne die Konsequenzen zu durchdenken.
Viele Ungerechtigkeiten sind daraus entstanden und haben in Berlin dafür gesorgt, dass bei einer Generation, vielleicht zweien, die Mauer nun höher ist, als sie es in Wirklichkeit je war.

Ich, einer Generation angehörend, die die Mauer erlebt hat, alt genug, um die Mißstände langsam zu begreifen, die vorherrschten, aber auch noch jung genug, um naiv daran zu glauben, dass Menschen begreifen, dass es nie nur einen Schuldigen gibt und es zu nichts führen kann, wenn man sich in einer schwierigen Situation gegenseitig nieder macht, anstatt gemeinsam zu verstehen, dass man gemeinsam das Problem lösen kann und wird, mit viel Geduld, mit dem Wissen um Verlust und viel, viel Arbeit, ICH, bin traurig, wenn mir ein kleiner Junge, der von alldem nicht mal eine Ahnung hat und haben kann, mit einem Starrsinn entgegenblickt, der vermuten läßt, dass es noch Generationen brauchen wird, bis wir begreifen, was für ein wunderbares Geschenk die Maueröffnung war.

Vielleicht hilft es uns,  sich daran zu erinnern, wie sich jeder einzelne an diesem Tag gefühlt hat, welche Freude, welch Triumph dieser Tag des Mauerfalls bedeutet.

Vielleicht krempeln wir dann ja, zwanzig Jahre später, gemeinsam die Ärmel hoch und freuen uns an dem, was wir gewonnen haben und weinen nicht um das Alte, dass nur im Verklärungsschleier der Vergangenheit entzücken mag.

Lernen wir, ehrlich zu sein und packen es an!!!